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Ich sage, wenn du das, was du tust, gern machst, hast du keine Arbeit.
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Kreativität braucht eigentlich jeder, jeder Betrieb.
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Kreativität beginnt, sobald man auf der Welt ist. Ein Kind ist kreativ.
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In der Schule soll noch mehr Kreativität gefördert werden.
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Ja und dann, wenn es um die Berufsentscheidung geht und wenn man kreativ sein will,
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dann sollte man es sich durchaus zutrauen, diesen Weg zu gehen
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und auch einmal etwas auszuprobieren.
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Die Kreativindustrien bestehen darin, das aus menschlicher Kreativität
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letztlich auch wirtschaftlich erfolgreicher gearbeitet wird,
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dass hier Geschäftsmodelle entstehen mit innovativen Ideen,
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die menschliche Kreativität implizieren und involvieren.
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Das ist die Werbebranche, das sind die Filmemacher,
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das ist das Kunsthandwerk, das sind die Architekten,
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ja selbst Forschung und Entwicklung gehört dazu.
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Man könnte sagen, dass Wien armselig wäre,
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wenn es diese Kreativszene nicht gibt, trotz aller Hochkultur,
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trotz aller Museen, weil genau dadurch auch jene zeitgenössische Dynamik erreicht wird
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die einfach notwendig ist um hier auch im Wettbewerb der Weltstädte bestehen können.
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Linz ist ein starker Industrie- und Wirtschaftsstandort, bekannt als die Industriestadt
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- der große Leitbetrieb die Voest aber auch durchwachsen mit den Klein- und Mittelbetrieben,
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hervorragende Wirtschaftszahlen, immer eine niedrige Arbeitslosenrate
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und da erkennt man jetzt für die Zukunft, dass die Kreativwirtschaft eine
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große Bedeutung haben wird.
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Kreativität? Kreativität ist, wenn was Neues entsteht, wie zum Beispiel hier,
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dass Buchstaben vom Himmel regnen.
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Walking Chair ist ein Produkt, das ist ein Stuhl der geht.
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Es ist eine Kunstproduktion, aber es ist gleichzeitig auch ein wahnsinnig tolles Möbel,
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und das war ganz einfach der Namensgeber für unser Studio.
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Also ich glaube, dass ein kreativer Beruf vielleicht noch mehr herausfordert,
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dass man sich auch immer selber wieder neu erfindet, oder sich neu erfinden muss.
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Und natürlich die Ideen oder das Produkt, das man herstellt
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- das können jetzt sehr verschiedene Sachen sein in unserem Fall -
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muss man natürlich auch verkaufen können und insofern ist man Unternehmer
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und muss alle Fähigkeiten eines Unternehmers haben.
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Man kann nicht ein lustiges Leben haben auf Sicherheit - alles was sicher ist, ist unspannend.
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Insofern desto mehr Spannung desto weniger Sicherheit.
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Und man muss sich entscheiden: Will man ein langweiliges Leben mit Sicherheit,
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oder ein spannendes Leben, wo man viel lernen kann und neue Welten bereisen,
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mit mehr Unsicherheiten.
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Das sind meine Singles, das sind sozusagen meine neutralen Kissen mit Armen.
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Die können Winken, haben leider keinen Kopf aber sie sind unsere neuen Freunde.
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Das ist ein Projekt, das wir schon seit mehreren Jahren verkaufen als Produkt, das heißt eben Single.
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Wir haben einen Song dazu geschrieben, der geht dann: „Single Single lalelu,
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Single Single ich und du, Single Single komm zu mir, Single Single Kuscheltier“, also.
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Dann machen wir auch sehr künstlerische Sachen, indem wir zum Beispiel
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alte Pillen-Verpackungen zusammenklipsen und dadurch Lampenschirme machen.
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Also man sieht, das Spektrum ist da sehr weit.
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Für mich persönlich ist das Faszinierendste, neue Dinge zu erfinden.
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Und ich glaube, dass Kreativität eine Fähigkeit ist, die man hat,
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die man auch trainieren kann, so wie andere Fähigkeiten und mit diesen,
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wenn man sich darin übt und über die Projekte und die Herausfindungen die man annimmt,
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kann man sehr viel lernen und das ist eigentlich das Spannendste.
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Immer wieder in einen Bereich hineinzugehen und etwas zu enddecken,
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das ist fast wie ein Segler, der irgendwie aufs Meer hinaussegelt
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und dann auf eine Insel kommt und dort eine neue Welt entdeckt.
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Und dann kommt er zur nächsten Insel ,und zur nächsten Insel und so weiter.
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Und bei uns sind es halt Projekte oder neue Möbel oder neue Themen,
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die wir uns zum Teil auch selbst stellen.
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Das ist auch sehr wichtig, dass man generell Fragen hat in dieser Welt.
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Der Beruf des Gestalters ist zum ersten Mal ein Beruf, den man ein Leben lang lernt,
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wo man nie ausgelernt hat und sich eigentlich immer wieder neu von 0 auf motiviert
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neu entwickelt und neue Wege sucht.
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Also erstens muss man an sich selbst glauben
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- mal ganz wichtig -
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dann muss man sehr zäh sein, Durchhaltevermögen haben
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und auch glauben, dass das was man macht, auch wichtig ist.
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Natürlich müssen wir auch über die Nachteile reden.
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Die Nachteile sind, es ist alles nicht so berechenbar.
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Es ist keine 08/15 Karriere. Man ist schon auch jeden Tag neu gefordert,
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aber auch darin muss man Kreativität beweisen, wie geht man mit solchen Situationen um.
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Wenn ich frei arbeite, als Freiberufler, weiß ich nicht, ob ich morgen einen Job bekomme
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Und gerade wenn wir bedenken, in diesem Bereich
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ist es schwierig einen Kunden-Stock aufzubauen.
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Ich würde nicht zu viel, das Orange ist ein bissl too much.
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Schau dir mal das Violett mit dem Beige an. Das ist doch Spitze oder?
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Du, wir werden noch einige Varianten machen, wo wir wirklich ein Farbkonzept machen.
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Ich sag jetzt mal, ich mach jetzt einen Gelb-Orange- Teil.
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Es geht um Qualität und es geht um die Förderung von Qualität.
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Letztlich meine Überzeugung ist, dass nur Qualität sich mittel und längerfristig
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durchsetzen kann, das ist ganz klar. Aber es ist auch völlig klar, dass es extrem
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schwer sein kann, vor allem am Anfang, diese Qualität auch in der Praxis umzusetzen
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Weil wenn die Mittel fehlen, auch die Netzwerke fehlen, das Marketing fehlt,
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und vieles mehr - genau bei diesen Punkten setzten wir auch an,
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damit innovative Projekte und auch Gründungen sich durchsetzen können.
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Extrem wichtig ist natürlich hier auch die Verbindung zur Wirtschaft hin.
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Wenige Kreative können nur quasi aus sich heraus mit dem, was sie kreativ leisten, leben.
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Sie brauchen Partner in der Wirtschaft: ein Produktdesigner braucht einen Produzenten
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für das Produkt, eine Modedesignerin braucht entsprechend auch Partner,
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um das umzusetzen, damit es auch wirtschaftlich in einer ertragbaren Weise erfolgen kann.
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Also hier geht es auch natürlich um Vernetzung, die auch ein
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ganz wichtiges Ziel von unseren Aktivitäten ist.
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Wie können wir maßgebliche Leute aus den Kreativszenen in Verbindung bringen
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mit jenen Stellen auch in der Wirtschaft im breiteren Sinn, auf die es dann
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auch für die Umsetzung sehr oft ankommt.
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Wir machen immer wieder für unsere Produkte kleine Gedichte,
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machen kleinere Songs daraus, beschreiben unsere Produkte
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ein bisschen lyrisch, das ist etwas Neues vielleicht.
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Natürlich machen wir auch Möbel.
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Wir haben für den Modepalast Präsentationsmöbel gebaut, wo wir alte Möbel gekauft haben.
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Die haben wir neu zusammengeschnitten, neu zusammengebaut, denen neue Funktionen
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gegeben und mit dieser Beschichtungstechnik praktisch überspritzt
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und dadurch sind sie neue Möbel geworden.
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Es ist so, das Schönste was einem passiert ist, wenn Menschen zu dir kommen,
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die wissen gar nicht das du was gemacht haben, die über ein Produkt,
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das du gestaltest hast, einfach sich freuen können, mit einem Lächeln im Gesicht,
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wo die gar nicht verstehen eigentlich was passiert ist im Hintergrund,
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die auch nicht wissen, dass ich das oder wir das gemacht haben,
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sondern einfach, wo du merkst, das, was ich mir gedacht habe,
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funktioniert so, wie ich es mir vorgestellt habe.
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Es ist egal, ob das ein Stuhl, eine Garderobe ist, eine Einrichtung
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eine Typographie, ein Text, eine Zeile, die funktioniert, einfach wenn ich merke,
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es kommt etwas zurück und die Menschen nehmen das auf
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und verstehen es und können es gebrauchen.
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Und immer am Ball bleiben - das heißt technologisch und auch intellektuell
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und immer eine gewisse Art von Bescheidenheit ist auch ganz wichtig.
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Das führt einen dazu, dass man immer wieder sucht und immer wieder
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die Sachen hinterfragt, das ist auch ganz wichtig.
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Bei unserem Studio ist alles auf einem gleichen Niveau in einer Hierarchie
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Und diese Hierarchie heißt einfach, ich bringe was ich weiß,
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ich bringe mein Bestes, was ich kann und mit dem kann man dann erfolgreich sein.
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Gute Architektur ist dann gut, wenn sie langlebig ist, wenn sie auch nachhaltig ist,
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wenn sie auch witzig ist, wenn sie in vielen Facetten besteht.
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Naja, wir sind eigentlich, wir sind ja fünf Partner, wobei vier von uns gleichzeitig in Graz
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studiert haben und zusammen in einem Zeichensaal gesessen sind
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und der Zeichensaal war so etwas wie ein großes Kollektiv.
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Und so hat sich das halt herauskristallisiert, dass wir gut zusammenarbeiten können
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und dann haben wir nach dem Studium einen Wettbewerb gemacht, den wir gewonnen haben
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und das war unser Berufseinstieg.
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Uns gibt es ja schon 13 Jahren und da lernt man sich auch gut kennen und es ist auch super,
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die Lasten einfach verteilt werden. Es ist eine Triebfeder in einem drinnen,
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die mal stärker und mal schwächer wird und es gibt ganz schlimme Momente
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irgendwo im Berufsleben, aber das wiegt sich dann wieder total wieder auf
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mit so ganz klassen, positiven Erlebnissen, wenn Projekte fertig werden,
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wenn Sachen eröffnet werden, wenn sie dann da stehen und man oft jahrelang
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gearbeitet hat um sie zum Entstehen zu bringen und irgendwie alles dann ein bisschen passt.
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Das ist dann wunderbar. Man ist dann auch wieder sofort geheilt von all seinen Wunden
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und kann wieder ins nächste Desaster irgendwie, in den nächsten Wettbewerb zum Beispiel
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gehen und wieder hunderte Stunden aufwenden um dort ein Projekt zu erschaffen.
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Und wenn ich über die negativen Seiten auch berichten darf,
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dann ist es sicher - zum Beispiel in den Medien wird ja ausschließlich über Eröffnungen,
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Spatenstichfeiern und so weiter berichtet. Und dieses tägliche Brot dahinter,
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auch des Architekten und auch gerade des Architekten ist teilweise wirklich steinig.
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Ich hätte mir nie träumen lassen, während des Studiums, wie viel ich mich
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fast ausschließlich in Excel Tabellen zum Beispiel bewege,
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was sehr unromantisch ist an und für sich, aber es ist so.
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Also es gibt glaube ich eh nichts klasseres, weil das 1:1 ist einfach immer wieder überwältigend
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Wir freuen uns ja selber schon, wenn die Modelle fertig sind,
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wenn wir wissen wie es jetzt auch aussieht und dann,
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wenn es in die Umsetzung kommt, ist es natürlich umso klasser.
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Also natürlich war ein Schlüsselprojekt das Möbelhaus Manzenreiter,
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mit dem eigentlich alles begann, sage ich jetzt einmal, gebaut, begann.
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Das Golfklubhaus in St. Oswald war sicher so ein Meilenstein
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und eigentlich eine Vielzahl kleinerer Projekte wie der Juwelier Mayerhofer in Linz,
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wo wir sehr viel Anerkennung bekommen haben dafür,
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was ein reiner Innenausbau eigentlich war, aber eigentlich
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alle Elemente unseres Verständnisses von Gestaltung beinhaltet,
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was ein sehr konzentriertes Teil war irgendwie.
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Wir haben ja auch Kontakt mit so vielen anderen, wir brauchen auch einen Rechtsanwalt,
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wir brauchen auch eine Steuerberaterin, wir brauchen auch so viele die uns umgeben
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Aber ich denke mir jedes mal, wenn ich dort bei denen aus dem Büro raus gehe:
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"Gott sei Dank muss ich das nicht machen!" Also so wirklich ganz sicher,
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dass das einfach das Richtige ist. Ob es in jeder Lebensphase das Richtige ist,
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wird sich am Ende herausstellen - aber auf jeden Fall ein toller Beruf
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auch mit tollen Aussichten irgendwo, aber mit viel Herzblut-, mit viel Engagement - Erfordernis
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Das Faszinierende und Tolle ist auf jeden Fall, dass man einfach genau das machen kann,
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was man möchte und sich sozusagen selbst verwirklichen kann in seiner Arbeit,
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was natürlich andereseits bedeutet, dass man 24 Stunden am Tag einfach die Arbeit ist.
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Es ist wunderbar hier zu arbeiten und es ist schön mit seiner Arbeit dann
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hinauszugehen aus Österreich und sie auf der ganzen Welt zu zeigen. Es ist meine
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Vorstellungswelt, die ich jedes halbe Jahr in Stoff banne.
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Man braucht sehr viel Zeit, auch den Willen dann, Privates zurückzustecken.
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Man muss es wirklich wollen, es ist kein Job für "ich schaue es mir mal an".
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Wenn man aber die Schattenseite von diesem Beruf auch beleuchten will,
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das muss man ganz klar sagen, diesen Beruf kann man nicht in zwei Stunden
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erlernen. Und heute, wenn jemand den Computer einschalten kann, ist er noch kein
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Designer, obwohl viele denken, sie seien es. Computer ist ein
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Hilfsmittel wie ein Papier, wie ein Bleistift, wie eine Schere, wie eine Beißzange,
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wie eine Stichsäge und die muss man auch alle lernen, mit den Händen zu
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manipulieren. Und dieses Lernen ist etwas, was man wirklich ernst nehmen muss.
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Einem jungen Menschen möchte ich auf den Weg mitgeben, einen kreativen Beruf
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zu ergreifen, denn dort gibt es Chancen und einfach zu sagen:
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"Ich traue mir das zu, ich bin kreativ und ich kann mich in dieser kreativen Szene wohlfühlen."
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- Dann soll man es unbedingt wagen, in diese Branchen hinein zu schnuppern.
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Man kann auch sagen, dass doch ein beträchtlicher
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oder bedeutender Teil auch der Beschäftigten in
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diesem Bereich tätig ist. Die Zahlen schwanken hier, aber
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ich würde mal sagen 15 % beispielsweise ist eine gute Zahl und Anteil
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wachsend. Also hier ist ganz klar ein Zukunftsfeld. Es
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gibt ja mittlerweile auch Publikationen, die sagen, wir befinden
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uns in einer kreativen Revolution. Das heißt,
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der Zug der Zeit geht ganz deutlich in Richtung mehr
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Kreativität in allen Bereichen, weil die menschliche
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Kreativität neben der technischen Innovation jenes Mehr ist,
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jener Mehr-Wert, mit dem man dann auch punkten kann
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im harten wirtschaftlichen Wettbewerb.